Schwangerschaftsdiabetes

Von Schwangerschaftsdiabetes spricht man, wenn in der Schwangerschaft erstmalig einen Diabetes festgestellt wird. Der Schwangerschaftsdiabetes ist eine der häufigsten Begleiterkrankungen einer Schwangerschaft.

Meist handelt es sich um einen Typ-2 Diabetes und damit um eine Glukosetoleranzstörung. Sehr selten handelt es sich um einen Typ-1 Diabetes. Bei einem Typ-1 Diabetes produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr, so dass, die Betroffene, das lebenswichtige Insulin, selber spritzen muss.

Bei den meisten Frauen, die vom Schwangerschaftsdiabetes betroffen sind, normalisiert sich der Glukosestoffwechsel nach der Geburt wieder. Allerdings bleibt ein erhöhtes Risiko, später dauerhaft an einem Typ-2 Diabetes zu erkranken.

Ursachen für Schwangerschaftsdiabetes

In über 90% der Fälle von Schwangerschaftsdiabetes liegt ein Typ-2 Diabetes vor. Durch hormonelle Veränderungen und veränderte Stoffwechselprozesse kommt es, an der einzelnen Körperzelle, zu einer verminderten Wirksamkeit des Hormons Insulin (Insulinresistenz). Dadurch kann der Zucker (Glukose) aus dem Blut nicht mehr so gut in die Zelle gelangen. Mediziner sprechen von einer Glukosetoleranzstörung, da die Zelle gegenüber der Glukose eine geminderte Toleranz hat und die Aufnahme gestört ist.

Der Körper reagiert nun auf die Glukosetoleranzstörung. Die Bauchspeicheldrüse produziert mehr Insulin, um der Insulinresistenz entgegen zu wirken.

Häufigkeit von Schwangerschaftsdiabetes

In Ländern, in denen seit Jahren ein generelles Screening (Vorsorgeuntersuchung auf Schwangerschaftsdiabetes) mit einem Zuckerbelastungstest durchgeführt wird (z.B. USA), hat man eine Häufigkeit von weit über 10%, teilweise bis 14% aller Schwangerschaften festgestellt.

Da der Zuckerbelastungstest in Deutschland bis März 2012 nur als zusätzliche Leistung auf Selbstzahler-Basis angeboten wurde, lag die Zahl der registrieren Schwangen mit einem neuen Diabetes hier nur bei 4%. Es gab bis dahin kein einheitliches Screening-Programm, obwohl bekannt war, dass ein Schwangerschaftsdiabetes gravierende Komplikationen zur Folge haben kann. Das bedeutet, dass in Deutschland jeder zweite bis dritte Schwangerschaftsdiabetes vor 2012 nicht erkannt wurde. Aktuell nähern wir uns den amerikanischen Zahlen deutlich an.

Seit März 2012 ist der Zuckerbelastungstest im Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen enthalten.

Risiken die einen Schwangerschaftsdiabetes begünstigen

  • Es gibt einige Schwangere, die ein deutlich höheres Risiko haben, an Schwangerschaftsdiabetes zu erkranken.
  • Ein generell höheres Risiko für die Entwicklung eines Diabetes haben einige ethnische Gruppen. Davon sind vor allem Asiaten und Lateinamerikaner betroffen.
  • Ein erhöhtes Risiko auf Diabetes in der Schwangerschaft, haben Frauen, die auch vor der Schwangerschaft schon übergewichtig waren.
  • Weiterhin haben Frauen, bei denen in einer früheren Schwangerschaft schon ein Schwangerschaftsdiabetes diagnostiziert wurde, ein erhöhtes Risiko. Ein noch höheres Risiko haben Frauen, die bei einem früheren Diabetes in der Schwangerschaft, eine Therapie mit Insulingabe angezeigt war.
  • Frauen, die in einer früheren Schwangerschaft, ein Kind mit über 4000g Geburtsgewicht geboren haben, haben auch ein erhöhtes Risiko an Diabetes in der Schwangerschaft zu erkranken.
  • Ein erhöhtes Risiko für Schwangerschaftsdiabetes liegt außerdem vor, wenn die Gewichtszunahme der Mutter größer als 3 kg zwischen zwei Schwangerschaften ist.
  • Weiterhin sind häufiger Schwangere betroffen, bei denen der zeitliche Abstand zur letzten Schwangerschaft kürzer als 24 Monate ist.

Symptome, Anzeichen und Indikatoren für einen Schwangerschaftsdiabetes

Den meisten Schwangeren geht es soweit gut, deshalb kommt für viele Schwangere die Diagnose Schwangerschaftsdiabetes sehr überraschend.

Die folgenden Anzeichen sind sehr schnell zu übersehen:

  • Sie haben öfters Durst
  • Sie stellen Unterschiede beim Wasserlassen fest
  • Sie sind ständig müde und abgeschlagen

Weitere Anzeichen können sein:

  • Sie nehmen in kurzer Zeit sehr viel Gewicht zu
  • Größe ihres Babys liegt über den Normwerten (Ultraschall)
  • Sie haben zu viel Fruchtwasser (Ultraschall)

Wenn Sie diese auffälligen Anzeichen wahrnehmen, sollten Sie als erstes, beim nächsten Arztbesuch, einen einfachen Urin-Test machen. Mit einem Teststreifen wird bestimmt, ob sich Zucker im Urin befindet. Sollte sich Zucker im Urin befinden, ist das ein sehr deutlicher Hinweis auf einen möglichen Schwangerschaftsdiabetes.

Zweifelsfrei kann nur ein Arzt die Diagnose nur mit Hilfe des standardisierten oralen Glukosetoleranztests stellen.

Therapie des Schwangerschaftsdiabetes

Es sind zuerst Maßnahmen in der Ernährungsumstellung und in der Bewegung der Schwangeren zu treffen. Bei ca.90% der Schwangeren bringen diese Maßnahmen eine Senkung des Blutzuckerspiegels. Wenn Sie hier die Therapieempfehlungen gut umsetzen, haben Sie großen Einfluss auf die Ergebnisse.

Bei den Schwangeren, bei denen durch die Maßnahmen zur Ernährungsumstellung und der vermehrten Bewegung keine ausreichende Senkung des Blutzuckers erreicht wird, bleibt nur die Therapie mit Insulin.

Zu Details bei der Therapie mit Insulin befragen Sie bitte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt!

Egal, ob Sie eine nicht-medikamentöse oder eine medikamentöse Therapie bekommen, nehmen sie unbedingt an den Diabetes-Schulungen teil!