Gestationsdiabetes

Von Gestationsdiabetes spricht der Arzt oder die Ärztin in der medizinischen Fachsprache beim Neuauftreten eines Diabetes oder bei der Erstdiagnose eines Diabetes in der Schwangerschaft.

Gestationsdiabetes und seine Ursachen

Hauptursache für Gestationsdiabetes sind veränderte Stoffwechselprozesse und hormonelle Veränderungen während der Schwangerschaft. Gerade ab der 20. Schwangerschaftswoche finden hier große Veränderungen statt.

Häufig liegt an den Zellen eine gesteigerte Insulinresistenz vor. Da die Insulinsensitivität an den Zellen nachlässt, wird die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüse gesteigert. Wenn die Bauchspeicheldrüse es nicht mehr schafft, die gesteigerten Insulinspiegel dauerhaft auf dem hohen Niveau zu halten, gibt sie förmlich auf. Sie fährt die Insulinproduktion auf ein normales Maß zurück. Es kommt zum manifesten Gestationsdiabetes.

Selten kommt es zu einem Komplettversagen der Bauchspeicheldrüse und somit zu einem Typ-1-Diabetes.

Meist ist durch eine Umstellung der Ernährung und durch zusätzliche Bewegungsmaßnahmen eine Normalisierung des Blutzuckers bei Gestationsdiabetes möglich. Bei ca. 10% der Betroffenen muss dennoch eine zusätzliche Insulintherapie erfolgen.

Diagnose Gestationsdiabetes

Zur Diagnose des Gestationsdiabetes werden vom Arzt bzw. von der Ärztin verschiedene Werte herangezogen.

Zuerst ist für den Arzt oder die Ärztin die Gewichtszunahme im bisherigen Schwangerschaftsverlauf wichtig. Deshalb muss Seite 7 im Mutterpass immer gewissenhaft ausgefüllt werden.

Das nächste Kriterium sind die Ultraschalluntersuchungen, in denen der Arzt die Größe des ungeborenen Kindes ermitteln kann. Auch die Menge des Fruchtwassers gibt ein wichtigen Hinweis für den Arzt oder die Ärztin, ob der Verdacht auf ein Gestationsdiabetes vorliegt.

Der Urintest

Beim Urintest wird einfach eine Urinprobe mit einem Teststreifen getestet. Mit dem Urintest kann die Ärztin oder der Arzt bestimmen, ob sich Zucker oder Eiweiß im Urin befindet. Der Nachweis von Zucker im Urin, spricht mit hoher Sicherheit auch für einen Gestationsdiabetes. Wenn bei ihnen kein Zucker, durch den Urintest, nachgewiesen werden kann, ist aber ein Schwangerschaftsdiabetes nicht ausgeschlossen. Ärzte schätzen, dass durch den Urintest nur maximal jeder zehnte Gestationsdiabetes entdeckt wird.

Der Langzeitblutzuckerwert - HbA1c

Der Langzeitblutzuckerwert HbA1c ist, im Bezug auf die Diagnose des Gestationsdiabetes, nicht aussagekräftig. Der HbA1c spiegelt den Blutzucker über einen längeren Zeitraum wieder und ist deshalb nicht geeignet, um einen aktuellen Stand wiederzugeben.

Der Orale Glukosetoleranztest

Als sichere Diagnose für Gestationsdiabetes wird nur das Ergebnis des standardisierten oralen Glukosetoleranztest (oGTT) genutzt.

Der große oder auch standardisierte orale Glukosetoleranztest wird mit 75 g Zucker, gelöst in 300 ml Wasser, durchgeführt. Bevor die Zuckerlösung getrunken wird, wird der Blutzucker durch eine Blutentnahme gemessen. Der Nüchternblutzucker sollte unter 92mg/dl (5,1mmol/l) liegen.

Jetzt muss die Zuckerlösung in 3 bis 5 Minuten von ihnen ausgetrunken werden.

Nach einer Stunde findet dann eine neue Blutzuckermessung statt. Jetzt sollte der Blutzucker unter 180 mg/dl (10,0 mmol/l) liegen. Sie dürfen in dieser Zeit keine körperlichen Aktivitäten durchführen. Eine weitere Messung nach zwei Stunden bringt dann Klarheit, ob der Körper in der Lage ist, ausreichend Zucker aus dem Blut in die Körperzellen zu transportieren. Der Blutzuckerwert sollte jetzt unter 153 mg/dl (8,5 mmol/l) liegen.

Je nach Abweichungen von den Normwerten, legt der Arzt oder die Ärztin die weitere Therapie fest.

Die Therapie des Gestationsdiabetes ohne Medikamente

Im ersten Schritt werden Gewohnheitsumstellung in der Ernährung angestrebt. Außerdem soll mehr Bewegung im Alltag für eine zusätzliche Blutzuckersenkung sorgen.

Die nichtmedikamentöse Therapie setzt sich aus der Ernährungsumstellungen und aus mehr Bewegung zusammen.

Bei der Bewegungstherapie zum Gestationsdiabetes helfen zum Beispiel:
Spazieren
Nordic Walken
Tanzen
Schwimmen

Von Ballsportarten und Mannschaftssportarten rate ich durch das hohe Verletzungsrisiko ab. Auch „schnelle“ Sportarten wie Inliner fahren oder Sprinten. Verletzungsgefahr besteht auch bei stauchenden Sportarten (Joggen) oder dem Rad fahren.

Mit den Maßnahmen zur Änderung der Ernährung und der Bewegung, wird schon bei den meisten Betroffenen der Blutzucker normalisiert. Wenn die Ernährungsumstellungen und die Bewegung keine ausreichende Blutzuckersenkung bringt, muss die Therapie erweitert werden und eine Einstellung auf Insulin erfolgen.

Die Therapie des Gestationsdiabetes mit Insulin

Die Therapie mit Insulin bei Gestationsdiabetes ist sehr individuell und wird auf jede Schwangere zugeschnitten.

Da sich eine völlig neue Situation ergeben hat, müssen Insulinpflichtige Schwangere unbedingt an Diabetikerschulung teilnehmen! Diese Schulungen werden entweder von der Diabetologin bzw. dem Diabetologen oder von erfahrenen Diabetesschwestern, in der Praxis oder im Krankenhaus, durchgeführt. Hier erfährt die Schwangere die genauen Anleitungen zum Spritzen des Insulins, die Handhabung des Blutzuckermessgerätes und die Umstellung ihrer Ernährung.